Zum Hauptinhalt springen

Im Fluss schwimmen XV -Nullwetter

03. Oktober 2026

Nullwetter. Das Wetter-Unentschieden. Da gibt es keinen Nationaltrainer, den man auswechseln und der das Ganze in die gewünschte Richtung coachen kann. Auch der muss ab und zu Niederlagen hinnehmen oder eben: Unentschieden. Kein Lüftchen bewegt sich, weder laut noch leise.

Nullwetter heisst fast immer Hochnebel. Was den Hochnebel betrifft, hängen alle Metaphern schief. Er ist keine Glocke, kein Vorhang, kein Belag. Am ehesten eine milchig-weiße Zwischendecke, die zu tief hängt, lastend. Alles Wesentliche scheint sich jenseits abzuspielen. Man ahnt, es gibt ihn noch, den Himmel. Das Firmament. Die Strato- und die anderen Sphären. Die Planeten, Mond und Sonne. Wolken. Licht und Schatten. 

Auch auf meinen Kopf höchstpersönlich hat sich der Hochnebel gesetzt, wie ein Helm aus farblosem, starren Plastik. Nix regt sich unter der Schädeldecke. Weder Freude noch Frust. Der Fluss muss es richten, wieder mal. Wieviele Variationen von:  er hat mich lebendig gemacht kann ich noch schreiben? Nichts los heute. Feiertag. Die Sportler waren gestern Maßkrüge stemmen auf der Wiesn. Alle anderen sind übers Einheitswochenende geflüchtet. 

In meine Berührung mit dem Wasser hat sich Routine eingeschlichen. Ich ziehe mich rasch um und gehe zügig rein, etwas achtlos, gedankenlos. Wie immer zwingt mich die Kälte aus dem Kopf in den Körper. Ich ziehe meine Bahnen. Die Bewegung tut ihre Wirkung. Kein Glücksgefühl, kein Dopamin-Rush, kein heroischer Kick. Kalt ist es halt - für diesen Moment bin ich dem seelischen Nullwetter, unter dem eine mittlere Verstimmung gärt, enthoben.

Unerheblich. Die Bäume sind. Das Wasser ist. Ich bin. Im Deutschen sind Sein und Dasein so bedeutungsschwanger, Heidegger-affiziert oder esoterisch-infiziert. Das Englische kommt mir neutraler vor, klar, nicht meine Muttersprache. Beingness. Is totally enough.

Nullwetter