Im Fluss schwimmen XIII- Mann mit Geigerzähler
Wer abergläubisch ist, sollte diese Folge unbedingt überspringen. Alle anderen können weiterlesen. Nach einer kleinen erkältungsbedingten Pause vom leicht manischen Beobachtungsmodus zurück an den Fluss. Der Herbst ist ohne jeden Zweifel Herbst geworden und die Alten Weiber feiern den Spätsommer wohl auf der Wiesn, im Dirndl. Ich besitze kein Dirndl, ziehe aber an den empfindlich kühl gewordenen Morgen eine zusätzliche Schicht an.
Eine neue Klientel übernimmt die Kiesbank von den Sonnenanbetern: die Eisbader begrüßen sich wie lang vermisste Bekannte. Nix mehr mit ausladend rumliegen, schwadronieren, schwimmen oder sonnen. Ohne grosses Federlesens rein ins Wasser, durchatmen, frieren, raus. Dann allerdings wird die Kühle auf der Haut und das Kribbeln genossen, man ratscht und lässt sich Zeit beim anziehen.
Obwohl ich noch ein klitzekleines bisschen angeschlagen bin, kann ich nicht nicht reingehen. Das Wasser und ich haben doch diese Verabredung. Zu einer kleinen alchemistischen Verwandlung. Der Kälteschock ist bei 14 Grad Wassertemperatur noch ausbaufähig, aber anhaltender und intensiver. Mich dem so freiwillig wie entschlossen auszusetzen, verleiht Bärenkräfte für den vor mir liegenden Tag. Der auto-heroische Kick. Ungefähr bis ich zuhause bin, fühle ich mich im Stande, es mit allen und allem aufzunehmen.
Neu ist der Mann mit Geigerzähler, der Zentimeter um Zentimeter den Kies absucht. Und strahlt, als er ein Schmuckstück findet! Als ich ihn scherzhaft frage, ob er das ins städtische Fundbüro bringen will, erzählt er von einer Apple Watch, die er tatsächlich hingetragen habe. Weil sie registriert ist, wie er lächelnd zugibt. Willkommen im Klub der Glückssucher.
