Im Fluss schwimmen XII -Heraklits Fragmente
Heraklits Panta rhei. Ein Aphorismus als philosophisches Klischee. Die landläufige Übersetzung lautet: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Ich wollte mich nur vergewissern, daß ich richtig zitiere und bin entzückt, daß ich bei meiner kleinen Recherche auf weitere Fragmente/Übersetzungen stoße.
Die Nuancen sind faszinierend. Ein kaleidoskopisches Nachdenken über die Zeit, ihr sprichwörtliches Verfließen und darüber, wie wir uns dazu verhalten- zu unserer eigenen Vergänglichkeit. Aber auch zu unserer Verwandlung mit der Zeit und durch die Zeit.
Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben,
wir sind es und wir sind es nicht.
Wer in denselben Fluss steigt,
dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.
Der Fluss unterrichtet mich weiterhin. Er ist eben nie gleich. Ich ja auch nicht. Was Heraklit selbstredend viel eleganter ausgedrückt hat. Als ich heute früh auf der Brücke aufs Rad stieg, war ich auf eine leise Art glücklich. Dankbar. Wunschlos. Natürlich haben mich später am Tag die Ungereimtheiten und Ungelöstheiten meines Alltags eingeholt. Nichtdestotrotz: dieses kleine Flußglück liegt wie die goldene Septembersonne in einer dünnen Schicht auf meiner Haut.
