Fermente
es kommt keins/heute kommt einfach keins/kein Gedicht/nicht mal die eine Zeile/die mich reinzieht oder mir hinterherhämmert.
also Teig ansetzen...und gehen lassen.
nochmal kneten... nochmal gehen lassen.
Fermente sind empfindlich. Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, Zug - auf alles reagieren sie, mimosenhaft wie ich. An guten Tagen wird ein Teig draus, an den anderen mißlingt er/sie/es, ich schummle mit Hefe, esse Ziegelsteinbrot oder schmeisse den Sauerteigansatz ins Klo.
Nicht die richtigen Bakterien haben sich vermehrt, sondern die anderen, fiesen, schwarzen. Für Sekundenbruchteile stehe ich wieder in der Käserei am Spülbecken, auf der Alm, in Gummistiefeln, Haube und Plastikschürze, verbrenne mir die Finger in Lauge. Was wollte ich da eigentlich?
Hygiene ist die Mutter aller Fermentation. Psychohygiene ist die Mutter aller Dichtung. Die Dichterin spült und erschreibt sich alles Mögliche. Allmählich auch das Unmögliche. Das Brot ist unterdessen aufgegangen und muss in den Ofen. Ohne Wärme geht es nicht. Ohne Wärme geht genau genommen gar nichts. An Fermenten mangelt es nie, der Rest ergibt sich.
