Hitzeschock
schon in der Früh ist es heiss
und staubig unter meiner Haut
ich versteppe
meine Flüsse trocknen ein
das Delta verlandet.
Saharastaub legt sich gelblich über die Stadt
Blütenstaub und Pappelblüten wie Schnee im Frühling.
am Ätna hat der Hitzeschock die Bäume schlagartig ausgedörrt
nicht einmal zum Verkohlen hatten sie Zeit
weiss und kahl ragen sie in den Himmel
Zunder für den nächsten Brand
irgendwann fruchtbare Erde.
die Lava reisst Contenance und austarierte Lebensentwürfe mit sich
auf dem Geröllfeld am Fusse des Kraters
verschmoren Illusionen.
der Klimawandel findet jetzt in mir statt
eine Feuerwalze steigt aus den Eierstöcken auf.
Stichflammen schlagen aus längst
erloschen geglaubten Glutnestern
stumm schwelender Kränkungen.
eine überdrehte Schraube im kaputten Gewinde
der Thermostat dreht ohne Widerstand ins Aus
von 0 auf hundert in unter einer Sekunde.
wenn der Flash durch ist
fröstelts mich
ich schrumpfe
zieh' mich erschöpft zusammen.
am Frontalkortex brennen ein paar Synapsen durch
der Kurzschluss setzt mühsam
aufrecht erhaltenen Konditionierungen
ein rasches Ende
kann ich noch denken
wenn das hier vorbei ist?
ich bin eine Dschinn
ein Unruhe begabter Geist aus der Flasche
Wut quetscht mich durch ihren engen Hals
als sie verdampft ist
nur noch Nebel.
ich träume von Abkühlung
träume mich ans Meer
der Küstensaum von den Gezeiten
ausgehöhlt und unterwandert
eine Düne aus überlebten Selbstbildern
wandert mit.
dem Wind knorrig in Schieflage entgegen wachsen
wie die Strandkiefern versuche ich
im Sand zu wurzeln
wie Dünengras
das aus irgendeiner Tiefe Nahrung zieht.
wenn geboren werden
der Anfang aller Kränkungen ist
und Sterblichkeit nicht die letzte
will ich mutig sterben
in Drachenhaut gewandet
wiederauferstehen.
