dennoch
er liegt in der luft/der frühling/ ein zittern und beben /zartgrüne hasel und birken das rosa der magnolien und kirschbäume /gelbe forsythien/ weiß leuchtender ginster krokusse die dem blaugrau des himmels/ ein vielfarbiges dennoch entgegen setzen.
was auch in der luft liegt ist kälte /tatsächlich und sprichwörtlich /ratlosigkeit und zweifel /ob all das ausreicht für ein bisschen hoffnung: /daß die knospen austreiben wie jedes frühjahr.
während es in der früh aufmunternd zwitschert /der specht klopft /das käuzchen ruft lässt die weide ihre hellgrünen arme in den fluss hängen/ ungeprüfter Weltschmerz rumort/ drinnen und draußen/ eichhörnchen reissen löcher /auf der suche nach verbuddelten vorräten.
am fluss kehren die vögel zurück/ graugänse und schwäne erheben sich /die rückkehrer kreisen und fliegen formation / ich drehe den hals nach dem himmelsballett/ am hochhaus gegenüber tagt lautstark das krähenparlament.
gewalt und verrohung verdunkeln den himmel/ wie junge setzlinge blüht hoffnung gegen zynismus/ gegen die kälte am morgen an /nicht alle werden überleben/ keck und naiv halten die entenküken ihren flaum der welt entgegen.
gevatter tod wirft sich in ein frisches gewand/und obschon wir hinter seiner lächelnden fratze/ den abschied erahnen/ sagen wir : schau, wie er tanzt, der sensenmann/ er tanzt wieder für uns/ einen ganzen sommer lang.
immer weiter./voneinander scheiden und sich neu finden/ aufblühen und verrotten /neben lüge und verrat/ aufkeimende wahrheiten.
wie es mich freut /daß es wieder grünt.
