Zum Hauptinhalt springen

absteigen

Am Ende bleiben die Disteln
die Grasbüschel schon strohig geworden
Klee und Margeriten verblüht
alles Schmackhafte abgegrast
von der verschmähten Schafgarbe gibts noch reichlich

Absteigen aus dem AlmSommer. Was ich mitnehme, sind die Schritte, die ich gegangen bin. Köstliche Luft. Blühende Wiesen. Den sich ständig wandelnden Anblick der Felsen. Das Läuten der Glocken von Ziegen und Kühen. Das gründlich wiederkäuende Phlegma der einen und die scheinbar unerschütterlich springende Fröhlichkeit der anderen. Den Wind, der in allen Registern zu singen, zu brausen, und zu rauschen weiß. Die Bäume, die mit ihm und durch ihn sprechen. Die Gräser, die im Abendlicht glänzen. Das beruhigende Murmeln des Bachs. Pfeifende Murmeltiere. Plötzliche Ausblicke.

Die Stille.

Meinen Schatten. Meine Zweifel. Die habe ich heraufgetragen und nehme sie auch wieder mit ins Tal.
Kann man sein Leben ändern? (Rilke behauptet, man sollte)
Neue Umgebung alte Erfahrungen. Wie geht das neu werden?

Ein Schritt, ein Atemzug. Meine Machtlosigkeit lieben lernen.
Zulassen, daß er verblüht, der Sommer.

Ich mag die stachlig-stolzen Disteln
Königinnen in purpur.

Was der Berg mir noch zu sagen hat
wird er mir im Tal verraten.

Distel2